Glücklicherweise
konnten wir einen hochgelehrten Herrn aus dem Hause Ulfhart für ein
weiteres Exklusiv-Colloqium begeistern. Magister Rodensen folgte
unserer Einladung und wir haben keine Kosten und Mühen gespart, um
ihm einen gebührenden Empfang zu bereiten.

Wir
trafen Magister Rodensen in unseren Redaktionsräumen. Auf
gemütlichen Liegen servierte uns eine nordländische Sklavin das
berühmt-berüchtigte neue Ulfhart-Bräu.

Magister
Rodensen
: Vielen
Dank für die Einladung, der ich gerne gefolgt bin. Insbesondere da
die aktuelle Situation mir hier und da ein wenig Zeit zum
Verschnaufen lässt. Ein Lob zunächst für die phantasievolle
Atmosphäre. Sie verstehen ihre Gäste zu empfangen.

Rabentratsch
:
Der Name Rodensen ist in fast aller Munde, hochgelehrter Herr. Wie
lautet eigentlich Euer vollständiger Name oder warum darf dieser
nicht bekannt werden?

Magister
Rodensen
: Vollständiger Name?
Na, Rodensen scheint recht kurz, nicht? Mir ist allerdings bislang
kein zweiter Rodensen aus Lowangen in der Perle des Südens unter die
Augen getreten. Wenn Sie, Herr Alisteur, bereits mehr recherchiert
haben, dann lasse ich das mal so stehen, denn – sehen Sie – wozu
bedarf es mehr, wenn das was ist, schon mehr als ausreichend ist? Es
ist also trivialer als vielleicht angenommen denn der Name ist schon
bekannt.

Magister Rodensen scheint
amüsiert von der Frage, er lacht bei seiner Antwort.

Rabentratsch:

Ihr seid – ebenso wie Euer Kollege Reo Parinor – aus der Stadt
Lowangen. Weit im Norden. Was hat Euch in unsere wunderbare Perle des
Südens verschlagen?

Magister
Rodensen:
Oh, da sprecht
ihr einen seltsamen Punkt an. Ich bin seit einigen Jahren bereits auf
unserem Dererund unterwegs so dass es schlicht undenkbar wäre dann
nicht auch in diese, so polarisierende, Stadt zu reisen. Gerade für
Leute wie mich, die von weit her kommen und ein Mindestmaß an
Wissbegier mitbringen darf dieser überwältigende Flecken Land nicht
von Berichten Dritter oder mal mehr oder weniger wohlwollender
Gerüchte abhängig bleiben. Nennt es Neugier, nennt es den Willen
mit einigen Vorurteilen aufzuräumen aber letztendlich war es der
Entschluss diesem Teil des Südens mit einigen Seiten in meinem Buch
eine angemessene Schilderung zuteilwerden zu lassen.

Rabentratsch:
Und jetzt seid Ihr für Grandessa Ulfhart tätig. Wieso gerade Sie?
Was macht die Grandessa so besonders, dass alle möglichen Leute aus
aller Herren Länder für Sie arbeiten wollen

Magister
Rodensen:
Am Anfang waren
da sicherlich praktische Gründe. Die Nähe zu einem Grandenhaus
schien mir damals als Neubürger schlicht geboten. Mit Grandessa
Ulfhart, einer sehr charmanten und geradlinigen Person, ergaben sich
direkt nach meiner Ankunft einige gemeinsame Unternehmungen und so
kann man sagen haben sich die Dinge entwickelt. Ich bin mehr als froh
über diese Entwicklung und der Grandessa zu Dank verpflichtet.

Rabentratsch:
Und
was macht Euch so besonders, wo Sie doch schon den weit jüngeren
Kollegus Reo – und das gar als ihre rechte Hand – hat

Magister
Rodensen:
Ich glaube ich
verstehe die Frage nicht ganz. Aber wenn ihr eine Einschätzung
meiner Person aus Sicht des Hauses Ulfhart haben wollt, müsstet ihr
wohl mit ihrer Grandessa selber sprechen.

Uns
will scheinen, der Herr Magister wünscht nicht über sich selbst zu
sprechen oder vielleicht auch nur nicht über sein Alter. Wir lenken
das Thema lieber auf den Schlund.

Rabentratsch:
Ausgerechnet in Al’Anfas „Problemviertel“ habt Ihr Euch die alte
Villa Ulfhart zu Eigen gemacht und sie neu hergerichtet. Hättet Ihr
als hochgelehrter Herr nicht besser in das Universitäts-Viertel
gepasst?

Magister
Rodensen:
Was
passt und was nötig ist, sind oftmals zweierlei. Aber – sehen Sie
– die Lage eines Studierzimmers oder der Ort wo ich meinen Kopf
herumzutragen pflege ist für ihrer Göttin HESindes Gaben nahezu
irrelevant. Zwar verpflichtet mich mein Stand und meine Ausbildung
dem Wissensgewinn beizutragen, aber beschränkt mich nicht im Felde.
Für mich sieht es so aus, dass meine Aufgaben im Schlund mindestens
so herausfordernd sind wie die Forschungen fachlicher Natur. Zwar
liegt mir die praktische Seite an diesem Subject nicht so gut, doch
bin ich zuversichtlich stets dazuzulernen.

Rabentratsch:
Was
sind Eure Pläne für den Schlund? Und gibt es bereits Pläne, was
Ihr in der Ratssitzung sagen werdet?

Magister
Rodensen:
Oh,
Pläne und Ideen habe ich viele. Sehen Sie – in einer Gegend wie dem
Schlund kommt man nicht umhin das ein oder andere wahrzunehmen dessen
man sich dringend einmal annehmen sollte. Da hilft mir vielleicht
meine Herkunft aus einem Landstrich in dem die Menschen verstehen aus
wenig etwas zu machen. Die Situation ist natürlich nicht direkt
übertragbar, aber auch in den Gegenden um den Svellt gibt es durch
Abgeschiedenheit des Landstrichs und die stete Isolation durch die
Schwarzpelze – gemeint sind Orks, die kennt man hier glaube ich
kaum – hat man jedoch gelernt auch mit Mängeln umzugehen. Diese
Erfahrungen schätze ich für meine Arbeit im Schlund sehr.
Da
sich die Tribune des Schlunds noch nicht konstituiert haben kann ich
allerdings auch gar nicht mehr dazu sagen, denn es gibt zwar viel zu
wünschen, aber was schließlich alles gemacht werden kann sind
zweierlei. Da kann ich nicht vorgreifen.

Rabentratsch:
Man
sagt Euch ein ausgezeichnetes Verhältnis zum hiesigen
Firun-Geweihten nach. Wie kommt es dazu? Seid Ihr ein Anhänger
Firuns, wo Ihr doch weit aus dem hohen Norden kommt? Was verbindet
Euch mit ihm?

Dem
Magister scheint die Frage – und das Bier – zu gefallen, er
grinst wieder breit.

Magister
Rodensen:
In
Expeditionen in die Firunskälte habe ich mehr als einmal erfahren,
welch Kraft in FIRuns Botschaft steckt. Wieder ein willkommener Anker
in einer Umgebung wie dem Schlund, die zwar nicht kalt und von
Witterung her lebensfeindlich ist, aber in der es dennoch viel der
Zähigkeit und des Durchhaltewillens bedarf von der Ifirn den
Menschen Botschaft bringt. Aber bevor ihr mir Überhöht: Der Kanon
kennt der Götter zwölf und ja, wie die meisten hege ich für den
ein oder anderen mehr Zuneigung, aber die Erfahrungen, die ich
bislang machen durfte zeigen, dass mitnichten nur ein oder zwei die
Hand über die Schicksale der Menschen halten.
Vater Firundan ist mir
mit seiner herzlich-frostigen Art allerdings ein fester und lieb
gewonnener Anlaufpunkt im Schlund. Er kennt die Widrigkeiten mit
denen die Menschen konfrontiert sind genau und hat einen festen Stand
in diesem lebhaften Teil dieser großartigen Stadt. Es freut mich
sehr dass ein so zuverlässiger und unerschütterlicher Vertreter der
Kirche für einen erfrischenden Wind im Schlund sorgt.
Sie
werden sicher wissen, wie Ulfahrt-Bräu zu seinem Bild auf den
Fässern kam – ein weiteres Beispiel für einen erfrischend
gradlinigen Umgang mit den Gegebenheiten und dem eigenen Wort, den
ich sonst eher an andere Stellen Aventuriens verortet hätte.

Das
Ulfhart-Bräu ziert das Bild eines Mannes in einem Fass. Die
Geschichte dazu schien eine Wette gewesen zu sein, die Vater Firundan
verloren hat und weswegen er in einem Fass Ulfhart-Bräu baden
musste.

Rabentratsch:
In den letzten Wochen kamen immer wieder Gerüchte ans Licht, die
Grandessa sei gar nicht wirklich in Al’Anfa. Was ist an den Gerüchten
dran und ist sie jetzt wirklich (wieder) in Al’Anfa?

Magister
Rodensen:
Oh,
tatsächlich. Da können Sie mal sehen, dass meine Behausung im
Schlund doch einiges vom Silberberg entfernt ist. Nein, nein, bleiben
wir bei der Sache, es ist richtig, dass nach der letzten Ratssitzung
vieles an Vorbereitung und Analyse damit ihren Abschluss gefunden
haben. Der Ulfahrt-Rat ist daher momentan in eine Phase der
Entspannung eingetreten. Das klingt jetzt laxer als es ist, aber dank
dieses Umstandes konnte ich mich erstmalig richtig auf mein neues Amt
konzentrieren und habe mich daher wenig um den Silberberg gekümmert.
Fragen zu Befindlichkeiten der Grandessa oder spezielle Vorkommnisse
um sie herum sind zudem der Hausverweser und ihrer Grandessa rechte
Hand dem sehr geschätzten Magister Reo Parinor sicherlich die
bessere Adresse.

Wir
versichern dem Magister, dass wir auch mit der rechten Hand der
Grandessa baldigst ein Gespräch führen wollen.

Rabentratsch:
Gab
es Zwistigkeiten zwischen Grandessa Ulfhart und der Heldin Al’Anfas –
Morena Ulfhart? Oder waren die Gerüchte, die Grandessa wäre für
Ihre bösen Worte gegen den Judex maximus zu Hausarrest verurteilt
worden?

Die
Augen des Magisters blitzen schalkhaft, er wird jedoch schnell wieder
ernst.

Magister
Rodensen:
Ihr
impliziert, dass Morena Ulfhart ihrer Grandessa Hausarrest aufgegeben
hätte? Ihr habt da vielleicht ein schräges Bild des Hauses Ulfhart,
Herr Alisteur. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Alles andere will ich mir nicht vorstellen.
Die
„bösen Worte“, die sie hier ins Gespräch bringen sollten nicht
überhöht werden. Zu allererst waren sie vielleicht hitzig, nicht
jedoch böse im Wortsinn. Ich sehe es so, dass sich hier die
Anspannung der vorangegangenen Stunden sowie die Enttäuschung über
das ein oder andere Thema spontan Luft gemacht haben. Das schafft die
Situation nicht aus der Welt, lassen sie uns diesen Vorgang nicht die
Atmosphäre vergällen.

Also
widmen wir uns wieder dem, was wir am besten können: Klatsch und
Tratsch.

Rabentratsch:
Einige
Al’Anfaner sind der Meinung, die Grandessa führe eine heimliche
Liebschaft mit Amato Ugolinez-Paligan. Was ist daran? Und was hält
Euer Kollegus davon, dem doch ebenso nachgesagt wird, er täte alles
für SEINE Grandessa?

Magister
Rodensen:
Ich
fühle mich geschmeichelt, dass Sie glauben, ich wäre in derart
intime Details ihrer Grandessa eingeweiht. Bislang sind solche Themen
nicht Bestandteil der Ratssitzungen des Ulfahrtrates gewesen, daher
gestattet mir nur den Hinweis, dass die Wahrnehmung einiger
Al’Anfaner weniger auf Fakten denn auf Hörensagen beruhen mögen.
Ein wackeliges Brett.

Wir
sind uns nicht sicher, wie wir die Reaktion des Magisters auf diese
Frage deuten sollen. Ein Zucken der Augenbraue mag nicht all zu viel
Vermutungen zu lassen, aber vielleicht gibt es da doch ein paar
Zwistigkeiten zwischen den Magistern der gleichen Akademie? Wir
werden für unsere geneigte Leserschaft auf jeden Fall weiter an den
Gerüchten dran bleiben!

Rabentratsch:
Die
oberste Wachfrau der Grandessa vertrieb vor kurzem Dirion Dirial
Lomarion Zornbrecht mit gezogener Wache vom Tor der Villa Ulfhart.
Gerade Ihr und Euer Kollegus Reo als Magier müsst aber dennoch
weiterhin mit der Spektabilität arbeiten. Wie kam es zu dem Vorfall?
Wie steht Ihr zu der Ernennung Rezzan Zornbrechts – von Dirion
Dirial Lomarion Zornbrecht ernannt – für den Rat? Ist es ein
Problem für Euch auch weiterhin mit der Spektabilität arbeiten zu
müssen?

Magister
Rodensen:
Ich
bestimme nicht wer Zugang zur Villa Ulfahrt auf dem Silberberg hat.
Aber wem der Zugang nicht gewehrt wird, kann es mit den Wachen zu tun
bekommen. Das ist wohl ganz normal. Ich würde mich dazu hinreißen
zu behaupten, dass es von Respekt spricht, wenn die oberste Wachfrau
sich der Sache angenommen hat. Den Vorgang selber habe ich allerdings
nicht beobachtet.
Der Umgang mit ihrer
Spektabilität ist geprägt von gegenseitigem Respekt und die
Zusammenarbeit rein fachlich. Ich habe mir kürzlich auch an Zeit
genommen die Errungenschaften der Spektabilität einmal mit eigenem
Geiste zu beleuchten. Ich denke es ist eine glückliche Fügung, dass
ich wohl nicht die veranschlagte Zeit benötigen werde um alles durch
zu gehen. Sie haben sicherlich schon gehört, dass über einen
weiteren Zweig der Akademie geredet wird. Das wäre unbesehen der Art
des Zweiges sicherlich einmalig auf dem Kontinent und ein Meilenstein
in der fachübergreifenden Forschung. Vor allem, wenn die geballte
Kompetenz in Person des Magister Großhubberts direkt vor Ort ist.
Ich verfolge das Thema mit Spannung.
Ihre Spektabilität
Zornbrecht und ich tauschen uns nicht über die Politik der Häuser
im Detail aus. Das ist zeitweise nicht erfüllend, denn es führt
hier und da zu Zuständen, die zwar für sich nicht zu kritisieren
sind aber dennoch mehr als bipolar diskutiert werden müssen. Aber so
wie ich gelernt habe, wie die Dinge in Al’Anfa laufen, folgt einer
Diskussion meist auch eine Handlung. Aber – werter Herr Alisteur –
da die Diskussion offenbar noch läuft erwarte ich vorerst keine
neuen Aktionen.

Hier haben wir im Nachhinein
das Gefühl, wir müssten zwischen den Worten des Magisters lesen.
Plant das Hause Ulfhart einen Umbruch in der Akademie und zwar nicht
nur – wie bereits bekannt wurde – in Form eines dritten Zweiges?
Unbestritten wird man zwischen unseren Zeilen – die natürlich
wortgetreu hier niedergeschrieben stehen – lesen können, dass der
Spektabilität nicht viel Können von seiten des Magisters nachgesagt
wird.

Über das Interview haben wir uns sehr
gefreut und wir hoffen auf mehr Neuigkeiten von und mit den
Silberbergern in nächster Zeit!